Was ist gut?

Pfarrer Franz Meurer

"Nix esu schlääch, datt et nitt für jet joot es!"

Sehr interessant finde ich, dass eine wissenschaftliche Langzeitstudie unser kölsches Sprichwort untermauert. Wie kann man Fehler von Flugzeugbesatzungen vermeiden? Zwanzig Jahre lang untersuchte dies die US-Flugbehörde. Das frappierende Ergebnis: Die meisten Fehler macht der Chef, der Flugkapitän! Weil ihn so schnell keiner korrigieren will. Hierarchien begünstigen Fehler!

Also müssen die Teams lernen, gemeinsam zu analysieren und auf die scheinbar Dümmsten zu hören. Vielleicht hat die Reinigungskraft das Problem als Erste erkannt. Nix esu schlääch, datt et nitt für jet joot es. Das ist gerade nicht: Et hätt noch immer joot jejange! Sondern das heißt: Verantwortung für viele, flache Hierarchien.

Gerade in diesen Zeiten braucht unser Land überall Leute, die mit anpacken, mitdenken, mithelfen. Jeder Beitrag zählt - auch der kleinste.

Pfarrer Franz Meurer

Diözesan-Caritasdirektor Dr. Frank Johannes Hensel

Für benachteiligte, gefährdete und geschwächte Mitmenschen einzutreten

und Ihnen helfend zur Seite zu stehen, ist eine gute Tat. Dieses Handeln auch in politisch und gesellschaftlich schwierigem Umfeld durchzuhalten zeugt von großer Kraft und Furchtlosigkeit. Es sind Zeiten, in denen manche versuchen mögen, das gute Engagement für den Nächsten als Schwäche auszulegen. Ich finde es einfach nur stark, wenn Menschen füreinander da sind.

Dr. Frank Johannes Hensel, Diözesan-Caritasdirektor

Tom Frings

Sich für Schwache und Benachteiligte stark machen

Gut sein bedeutet für mich, für den Nächsten einzustehen und mich für die Belange von Kindern und Jugendlichen, von Benachteiligten und Schwachen stark zu machen. Gut sein heißt, sich für jeden Menschen als Menschen einzusetzen.

Gut sein beginnt schon bei einem Lächeln und dabei, nett zu meinen Mitmenschen zu sein. Doch hört es dort noch lange nicht auf. Für Gerechtigkeit und gute Rahmenbedingungen, für Mitsprache und für gute Chancen der Menschen zu kämpfen. Das macht einen guten Menschen aus.

Tom Frings, BDKJ-Diözesanvorsitzender

Matthias Schnegg

"Aus der Armut guckt man anders aus dem Fenster."

Gerade die Armen lehren mich, dass ich nicht ‚klar gut bin‘, denn ich bin da auch mal ungehalten und komme mir manchmal trotz meines gegenteiligen Bemühens wie einer vor, der einfach aus machtvollerer Position als Habender agiert.

Einer derer, die mich immer wieder, am liebsten sonntags zwischen 13 und 14 Uhr mit seinem iranischen Lächeln unter Druck setzt, dass ich ihm zu helfen habe, weil ich ein Priester bin, sagte mal in meine Ungehaltenheit: Aus der Armut guckt man anders aus dem Fenster. Das hat gesessen. Ich weiß schon länger, dass ich ‚zuständig‘ bin, wenn jemand vor meiner Türe steht - einfach, weil er da steht. Dieser Ausspruch des Iraners hat mich weiter gelehrt, dass ich die Situation der Armen nur begrenzt verstehen kann. Daher bin ich nicht gut, schon gar nicht ‚klar!‘.

Matthias Schnegg, Diözesancaritaspfarrer

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"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."

Man sagt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Ein guter Mensch setzt sich für das ein, was ihm sinnvoll, wertvoll und wichtig ist – nicht aus dem Interesse, vor anderen gut dazustehen, sondern aus der Absicht, Gutes zu tun. Moralische Integrität und Rechtschaffenheit bedeuten Engagement aus Verantwortung und mit Urteilsvermögen. Ohne kritische Selbstreflexion und ohne das Wissen um die eigene Begrenztheit geht das nicht. Ansonsten droht eine Tyrannei des vermeintlich Guten oder eine moralisierende Überheblichkeit des Besserwissens. Gutes tun erfordert Mut und Klugheit und lebt aus Vertrauen und Hoffnung.

Jochen Sautermeister
Professor für Moraltheologie an der Universität Bonn

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Personalausweis des Christen

Papst Franziskus stellte in seiner Predigt zu Allerheiligen 2016 die Seligpreisungen in den Mittelpunkt: Sie seien "in gewisser Weise der Personalausweis des Christen, der ihn als Anhänger Jesu ausweist". Christus berufe die Gläubige, Selige zu sein und damit gut zu sein. Neben die Seligpreisungen aus dem Matthäus-Evangelium stellte Franziskus sechs neue Seligpreisungen:

Selig, die im Glauben das Böse ertragen, das andere ihnen antun, und von Herzen verzeihen.

Selig, die den Ausgesonderten und an den Rand Gedrängten in die Augen schauen und ihnen Nähe zeigen.

Selig, die Gott in jedem Menschen erkennen und dafür kämpfen, dass andere auch diese Entdeckung machen.

Selig, die das "gemeinsame Haus" schützen und pflegen.

Selig, die zum Wohl anderer auf den eigenen Wohlstand verzichten.

Selig, die für die volle Gemeinschaft der Christen beten und arbeiten.

Schwester Franziska

"Gutsein?"
"Gut" bedeutet für mich, wenn Menschen Not sehen und versuchen, etwas dagegen zu tun.

So ist z.B. vor einigen Jahren das Kölner „Nacht-Café“ entstanden. Verschiedene Kölner Gemeinden bieten seitdem im Winter obdachlosen Menschen in ihren Räumen an einem festgelegten Wochentag eine einfache Übernachtungsmöglichkeit an. Ein Obdachloser muss dann zwar innerhalb einer Woche sieben verschiedene Adressen ansteuern, wird dort aber liebevoll empfangen, kann noch einen kleinen Imbiss zu sich nehmen und anschließend eine ruhige, warme und geschützte Nacht genießen. Was dies für die Gäste des Nacht-Cafés bedeutet, kann jemand mit einer Wohnung und einem eigenen Bett wahrscheinlich kaum ermessen.

Sr. Franziska

Pater Johannes M. Schäffler OP

"Gutmenschen" gesucht!

Jedes Jahr wird es neu gekürt: das Unwort des Jahres. 2015 fiel die Wahl auf „Gutmensch“. Im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik erreichte dieses Wort eine fragwürdige Prominenz besonders in rechtspopulistischen Kreisen, aber auch weit darüber hinaus. Gerade diejenigen wurden als „Gutmenschen“ abgetan, die sich freiwillig und ehrenamtlich für die ankommenden Flüchtlinge einsetzten. Die Sprachwissenschaftler kritisierten mit ihrer Wahl, dass Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal „als naiv, dumm und weltfremd“ diffamiert würden.

Was sich hier an der Flüchtlingsfrage pointiert zuspitzt, gilt im Grunde für alle Bereiche des Zusammenlebens in einer Gesellschaft: von der Familie über die Nachbarschaft bis zum Freundeskreis und dem Sportverein, auf der Straße, in der U-Bahn, auf dem Schulhof, am Arbeitsplatz. Die einfache Frage ist überall die gleiche: Wie gehen wir miteinander um?

Wenn ich nach einer Antwort suche, dann kommen mir die „Gutmenschen“ wieder in den Sinn. Denn ich bin froh, dass es sie gibt - im Kleinen wie im Großen: gute Menschen, die aufmerksam sind für die Gebrechen der Älteren, die eine Tür aufhalten und einen Platz anbieten. Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die im Alltag mutig eingreifen, wenn andere ungerecht behandelt werden. Es tut gut, Hilfe angeboten zu bekommen, auch wenn ich mein Gegenüber gar nicht kenne. Als nach dem schrecklichen Amoklauf in München am 22. Juli die Menschen verängstigt durch die Straßen liefen, boten zahlreiche Bürger in den sozialen Netzwerken ihre Hilfe an. Unter dem Hashtag #offenetür stellten sie wildfremden Menschen Räume und Wohnungen als sichere Zufluchtsorte zur Verfügung. War diese Welle der Hilfsbereitschaft auch „naiv, dumm und weltfremd“?

Wir brauchen genau diese „Gutmenschen“, die die Not der Anderen sehen und nicht lange zögern, wenn ihre Hilfe gebraucht wird. Denn sie sind es, die uns nicht nur nebeneinander existieren lassen, sondern unsere Gesellschaft zusammenhalten und unser Leben menschlich gestalten.

Pater Johannes M. Schäffler OP

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