Interview mit Paulina

"Ich helfe beim Obdachlosen-Frühstück des SKM. Dort mache ich das Leben der Obdachlosen und mein eigenes ein bisschen schöner."

Paulina, 24 Jahre, Studentin

Was für eine Frage... Ich zögere mit ja zu antworten, da es nun mal in der Natur des Menschen liegt, zu fehlen und so des öfteren auch in meiner. Ich kann nur sagen, dass es mir ein inneres Bedürfnis ist, für das Wohl meiner Umgebung zu sorgen. Seien es Menschen in kleinen oder großen Nöten bis hin zu einem Käfer, der auf den Rücken gefallen ist. Natürlich könnte ich noch viel mehr tun aber ich wage zu behaupten, dass ich versuche, die Welt, die mich umgibt, in dem mir möglichen Radius ein bisschen besser zu machen oder auch das in vollen Zügen zu genießen, was schon gut ist. Ich glaube an Karma. Ein Lächeln wird meistens erwidert. Und wer weiß, vielleicht bin ich ja irgendwann mal der Käfer, der Hilfe braucht.

Gut sein verbinde ich zunächst mit Empathie und Solidarität, also mit Werten, die sich darauf beziehen, anderen zu helfen. Konkret heißt das, dass es mich glücklich macht, wenn meine Mitmenschen glücklich sind. Dadurch tue ich aber auch mir selbst etwas Gutes. Gut sein verbinde ich sozusagen mit einem gesunden Egoismus. Wenn ich helfe, mitfühle, lache, ermuntere, umsorge, berate, dann bekomme ich dafür so viel zurück: Dankbarkeit, Glück, Gemeinschaft. Gut sein bedeutet also das Leben anderer und rückführend auch mein eigenes lebenswert zu machen.

Ich glaube daran, dass wir uns alle nach Frieden und nach einem kleinen bescheidenen Stück vom ganz großen Glück sehnen. Nur leider verirrt man sich manchmal auf dem Weg dorthin. Ich glaube, dass wir alle nur ein winziger Teil von einem großen Ganzen sind.

Ich glaube an den Schmetterlingseffekt. Wenn ich jemandem helfe, sei es mit Taten, sei es nur mit einem Lächeln, könnte vielleicht daraus mal ein großes Glück werden.

Ich glaube auch, dass ein gesunder Glaube darauf hinauslaufen sollte, gut zu anderen zu sein.

Ich helfe einmal im Monat beim Obdachlosenfrühstück des SKM aus. Das ist jedes Mal aufs Neue eine große Bereicherung.  Die unterschiedlichsten Menschen aus aller Herren Länder kommen dort zusammen. Sie alle haben eine Geschichte zu erzählen und erinnern mich auch immer wieder daran, was eigentlich wichtig ist im Leben: dass wir unseren Mitmenschen tolerant und offen begegnen, uns austauschen können, um voneinander zu lernen und uns gegenseitig zu unterstützen. Und auch die kleinen Dinge zu wertschätzen, wie in gutes Gespräch bei einem Kaffee und belegten Brötchen.

Zu sagen, dass ich gut bin, weil ich anderen Menschen helfe, legt meiner Meinung nach zu viel Wertung in die eigentliche Sache. Es sollte vielmehr als Selbstverständlichkeit begriffen werden.

Auch wenn ich selbst zu den Leuten gehöre, die nur an Weihnachten in die Kirche gehen oder um die Architektur zu bewundern, finde ich die sozialen Projekte, die organisiert werden, sehr gut. Es ist schön zu sehen, dass die Kirche oder besser gesagt, deren Mitarbeiter, nach wie vor Notleidenden ein Obdach und Trost im Sinne eines offenen Ohrs oder auch einer heißen Tasse Kaffee anbieten.

Es gibt viele schöne Momente. Ein bestimmter fällt mir explizit gerade nicht ein. Besonders schön ist es mit Leuten ins Gespräch zu kommen und ihre Geschichte zu erfahren. Ich begegne dort oft Menschen, die schon sehr viel mitgemacht haben und nicht wissen, wo sie am nächsten Tag sein, schlafen oder essen werden. Ich finde es sehr bewundernswert, wie viele ihren Lebensmut nicht verlieren und sich mit dem, was sie haben arrangieren

Wenn ich Hunger habe werde ich zur Furie. Dann helfe ich nur noch sehr ungern anderen, da mich das von meine Nahrungsaufnahme abhalten könnte… ( ;-) ) Aber ich bewege mich natürlich auf sehr hohem Niveau, denn ich habe noch nie Hunger leiden müssen.

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