Interview mit Rainer

"Ich sehe es gleichzeitig als Berufung und Freude, anderen Menschen zu helfen."

Rainer, 61 Jahre, Sozialarbeiter

Eigentlich sollten das andere beurteilen. Wenn ich mich selbst überprüfe anhand der Werte, die mir während meiner Sozialisation vermittelt wurden sage ich nun: „ja, zumindest ziemlich gut. Alles andere wäre überheblich. Es gibt bei genauerem Hinsehen natürlich durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten.“

Gut-Sein ist schwer zu definieren.

Zunächst mal kann ich eine Summe bilden aus positiv besetzten Verhaltensweisen: freundlich, hilfsbereit, ehrlich, wohlwollend, unkompliziert, mitfühlend, loyal, rücksichtsvoll, höflich, zuverlässig, unterstützend, solidarisch…

Meine beruflichen und persönlichen Freiheiten finden z. B. da ihre Begrenzung, wo sie die Freiheiten anderer Menschen berühren. Also versuche ich mich so zu benehmen, dass ich anderen nicht unnötig auf die Nerven gehe. Das ist dann gut für alle.

Der, in meinem Fall, christliche Glaube ist für mich handlungsleitend. Er begleitet mich seit meiner Kindheit in einer christlichen Familie. Gelebter Glaube gibt Orientierung und Sicherheit. Man kann das z. B. auch mit Fahrpraxis vergleichen ;0)

Mir macht es Freude anderen Menschen zu helfen. Mein Beruf als Sozialarbeiter ist auch in gewissem Maße Berufung. Mein beruflicher Schwerpunkt ist die Koordination der Hilfen für obdachlose Menschen. Macht mich das jetzt gut? Hauptsache ist, es tut anderen gut. (In der Regel kommt dann auch immer wieder Gutes zu mir zurück.)

Der SKM Köln – Sozialdienst katholischer Männer e.V. hat ein sehr schönes Motto: „Der Mensch am Rande ist unsere Mitte“. Arbeit in der Dienstgemeinschaft beinhaltet die Möglichkeit gemeinsamen Tuns orientiert an gemeinsamen Werten. Die ständige kritische Überprüfung des beruflichen Handelns ist Hilfe und Stärkung.

Es gab bisher ganz viele schöne Momente in meine Vita als Helfer. Jeder Moment einzigartig und unvergleichlich. In nunmehr fast 35 Berufsjahren stelle ich immer wieder fest, dass es unerwartet beglückende Momente gibt.

Ein Einzelbeispiel mit „Langzeitfreude“ ist die Erkenntnis, dass es mir einmal gelungen ist jemanden vom „Rechten Weg“ abzubringen.

Ja, die gibt es sehr wohl: Dann wenn ich auf Menschen treffe, die sich in keiner Weise an den demokratischen Grundwerten orientieren und als Egomane durch diese Welt laufen. Der Rheinische Dialekt, die kölsche Mundart fasst solche Menschen folgendermaßen zusammen: "Et jit Lück, för die mät ma en Kölle kein Dür op!" ( Es gibt Leute, für die macht man in Köln keine Türe auf.)

Dann ist es für mich eine besondere Herausforderung in meinem Nächsten das Ebenbild Gottes zu sehen.

Komm her, mach mit und bilde dir dann eine eigene Meinung.

Die Herausforderung „Mensch“ ist eine ganz besondere. Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, dass man die Welt mit anderen Augen sieht, wenn man sich auf das Abenteuer „Mensch“ einlässt.

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